Dienstag, 12. Dezember 2017

Die Deutschen werden wieder schuld sein

Vor hundert Jahren kam ein Österreicher nach Deutschland und fand mit der Zeit ein paar Millionen Gleichgesinnte und doppeltsoviele Opportunisten. Die leben heute nicht mehr, aber die Enkel und Urenkel der anderen, die einfach nur ihre Ruhe haben wollten - die geglaubt haben, es würde schon nicht so schlimm werden, oder die gehofft haben, dass es an ihnen persönlich vorübergeht - die müssen sich noch heute die Frage gefallen lassen, wie sowas passieren konnte.

Vor siebzig Jahren kam der Sowjetmensch nach Ostdeutschland und fand ein paar hunderttausend Gleichgesinnte und doppeltsoviele Opportunisten. Auch die leben heute meist nicht mehr, aber die Kinder und Enkel der anderen, die nunmal da lebten und glaubten, es würde vielleicht etwas besser, oder die hofften, dass sie persönlich nicht in die Schusslinie kommen - die müssen sich noch heute die Frage gefallen lassen, wie sie sowas so lange zulassen konnten.

Nun, meine Damen und Herren, öffnen Sie Ihre Tagebücher! Spitzen Sie Ihre Bleistifte, und überlegen Sie sich, wie Sie die Situation in Deutschland von 2015 an in Worte fassen möchten.

Eine Situation, in der jeder eigentlich nur seinen Wohlstand behalten will, und jeder hofft, dass wir es irgendwie schaffen werden, oder dass das Chaos wenigstens an einem persönlich vorbeigeht.

Setzen Sie also Ihren nun gespitzten Bleistift aufs Papier und beginnen Sie festzuhalten, wieso sowas passieren konnte, und was Sie so getan haben.

Getan gegen die Brandstifter, die ihr fernes, kaputtes System verließen, um woanders ein solches wieder einzufordern; die sich unter den Schutz eines Systems stellen, das zu vernichten ihre wütende Glaubensräson ist.

Schreiben Sie, es ist wichtig. Schreiben Sie auf, wie diese Brandstifter unter ihresgleichen Tausende Gleichgesinnter und doppeltsoviele Opportunisten fanden, während der Rest der Schutzsuchenden einfach nur von etwas Besserem träumte.

Und wie es unter den Autochthonen ein paar Hunderttausende Überzeugte und doppeltsoviele Opportunisten gab, die es für geboten hielten, diese und ähnliche Brandstifter heiligzusprechen und dem Rest der Deutschen zu bedeuten, sie müssten sich nun auch mal integrieren, der Toleranz und der Privilegien wegen.

Halten Sie auch Ihre Gedanken in allen Feinheiten fest, damit später das erste Mal in den Schulbüchern zu lesen sein wird, wie sich dieser Rest glauben machen ließ, das sei alles zu schaffen, und insgeheim hoffte, man müsse das persönlich ja nicht ausbaden.

Dieser Rest, der zuschaute, wie die Brandstifter jüdische Fahnen vor dem deutschen Parlament verbrennen - wie sie die Stabilität ihres Gasthauses und die Gelassenheit ihres Gastgebers ausnutzen, um in fremden Wohnzimmern Hass zu schüren, weil sie ihr eigenes seit Jahrzehnten demolierten - dieser Rest wird der Schuldige sein.

Es mag zwölf Jahre dauern, es mag 40 Jahre dauern oder 70 - irgendwann wird man die Deutschen wieder fragen, wie es zu dem Gesinnungsterror, der Gleichschaltung, dem Hass, dem Denunziantentum, der Gehirnwäsche, dem Kniefall vor einer gewalttätigen Ideologie, dem Antisemitismus kommen konnte, und warum sie dagegen nichts unternommen haben.

Man wird den Deutschen vorwerfen, sie hätten den Neuankömmlingen wohl ein Umfeld geboten, in dem sie ihre Ideologie verbreiten, ihren Hass ausleben und Menschen, Völker, Staaten runinieren konnten, und man wird sie wieder zu den im Grunde Allschuldigen erklären.

Gehen Sie. Ich werfe Ihnen nichts vor. Aber bitte, schreiben Sie auf, wie es heute wirklich ist, damit man irgendwann mal lesen kann, wie es wirklich dazu kam.

Schlagwort: Verrückte Normalo-Welt

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Donnerstag, 7. Dezember 2017

Mut, Macht und James Levine

Laut FAZ online hat Kanzlerin Merkel den Mut der #MeToo-Initiatoren gewürdigt.

Aber das war kein Mut. Das war Macht.

Macht verdirbt, und seit jeher missbrauchen Leute ihre Macht, um ihre Wünsche zu befriedigen. Sexuelle Wünsche nicht ausgeschlossen. Künstler nicht ausgeschlossen.

Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Wer sich vor 20, 30 Jahren noch ohne Stimme wähnte, muss heute nur noch ein #metoo an seine Geschichte pappen, um andere medienwirksam hinzurichten, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen, ja selbst ohne irgend einen Beweis zu erbringen.

Auch das ist Macht. Und ohne Zweifel verdirbt auch diese Macht (nicht wahr, Frau Claudia D., Frau Gina-Lisa L., Frau Heidi K.?).

In diesem Klima nun mit jahrzehntealten Stories herauszukommen, hat so viel Mut, wie ab 1946 schlecht von den Nazis oder ab 1990 gegen die DDR geredet zu haben.

Mutige Menschen nähmen Nachteile für ihr Handeln in Kauf. All die (bisher noch angeblichen) Opfer, die angesichts des zu verurteilenden Missbrauchs diesen eben nicht öffentlich verurteilt haben, um sich ihre Karriere zu sichern, waren nicht mutig, sondern Opportunisten.

Das sind solche, die wie im Fall des aktuell bezichtigten James Levine jahrelang tuscheln, aber nichts laut sagen, weil ihnen ihre Karriere trotzdem noch wichtiger ist als ihr emotionales Trauma - und auch das Trauma aller späteren möglichen Opfer. Und denen es jetzt einfach mehr einbringt, zu reden, als zu schweigen.

Mir drängt sich die Frage auf, ob das heute an Anzahl nicht schon mehr Machtmissbraucher sind als die 70 shitty media men.

Schlagwort: Fadenschein

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Mittwoch, 4. Oktober 2017

Wahlnachlese

Gerade die Parteien, die sich gern abgrenzend als demokratisch bezeichnen, scheinen sich am allerwenigsten für die diesjährige Bundestagswahl begeistern zu können.

Gedankenexperiment: Man lasse die im Bundestag vertretenen Parteien alle vier Jahre freiwillig einen neuen Bundestag bestimmen, der dem von ihnen angenommenen Wählerwillen entspricht.

Wäre dann dieses Ergebnis herausgekommen?

Wenn nein, warum nicht?

Schlagwort: Fadenschein

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